Work Life Balance 2.0?

Facebook – nur für Studenten?

Facebook wird auch hierzulande immer populärer – und das nicht erst seit Mark Zuckerberg persönlich zu den „Krauts“ kam, um ihnen die Vorzüge der blauen StudiVZ-Konkurrenz schmackhaft zu machen. Neben der eigentlichen Zielgruppe, den Studenten, melden sich aber zunehmend auch Berufstätige zwischen 20 und 40 bei facebook an. Angesichts der schier unendlichen Feature-Zahl und dem Umstand, dass facebook momentan das marktführende Netzwerk ist, über das jeder spricht, ist das mehr als verständlich. Das Problem ist nur: Studenten nehmen Studenten und gleichaltrige Freunde in ihr Netzwerk auf – gegenüber dieser Nutzergruppe hat man auch kein Problem, ihnen im Status mitzuteilen, dass man erstens mit einer Arbeit mal wieder erst auf den letzten Drücker fertig geworden ist und dass das b) vor allem mit dem alkoholträchtigen letzten Wochenende in konkretem Zusammenhang steht. Freunden und Kumpels aus der Uni erzählt man so was – auch online.

Problematisch wird das ganze erstens dadurch, dass wie in Geschäftsnetzwerken (wo das natürlich unabdingbar ist) auch hier die Realnamen der User eingesetzt werden. Das ist praktisch, um Kommilitonen aus dem letzten Seminar zu finden, aber weniger praktisch … genau: wenn man von einem Kollege im Studentenjob oder Praktikum gesucht und als Freund markiert wird. Meiner Auffassung nach gilt, gerade bei „jungen” Firmen, immer weniger die strikte Trennung zwischen geschäftlich und privat, zwischen Xing und facebook, wie dies z.B. bei broschart.net in diesem Artikel formuliert wurde. Allerdings ist das sicherlich, wie angedeutet auch stark branchenabhängig. Zudem gibt es immer mehr Alumni, die facebook natürlich auch nach dem Studium weiter nutzen wollen.

 

Eingeschränkte Profile

Lange Rede kurzer Sinn: was ist also zu tun, wenn man von einem Kollegen mit dem man sein Privatleben nicht zu 100% teilen möchte auf facebook als „Freund“ ge-added wurde? Ignorieren geht wohl kaum und blindes Akzeptieren ist auch keine Lösung, zumindest nicht bevor man das eigene Profil auf Vordermann gebracht hat: raus mit den eher unvorteilhaften Wiesn-Bildern, dafür lieber noch ein paar mehr Schnappschüsse aus Shanghai, die einen als Mann von Welt darstellen. Auch bei den Statusmeldungen sollte man in Zukunft vorsichtig sein. Als abgestufte Variante der „ganz-oder-gar-nicht“-Möglichkeiten bleibt noch, das Profil für bestimmte Gruppen einzuschränken. So kann man vor diesen z.B. Wallposts verbergen (ideal, wenn man Freunde hat, die fast alles über die Kommentar auf Profilseiten austauschen) oder Fotos verstecken. Unglücklicherweise sind diese Privacy-Einstellungen bei facebook weit über den Optionen-Bereich verstreut und teils etwas versteckt. Will man sich aber bei seinen privaten Internet-Unternehmungen nicht jederzeit von „Geschäftsfreunden“ über die Schulter blicken lassen, lohnt es sich auf jeden Fall spezielle Einstellungen für eine bestimmte Friend-List vorzunehmen. StudiVZ bietet diese weitreichenden Konfigurationseinstellungen innerhalb der Kategorie „Freunde“ leider nicht an, kennt dafür aber den Unterschied zwischen Freunden aus dem Studium (StudiVZ) und solchen die arbeiten (diese sollen sich in MeinVZ anmelden).

 Bleibt nur die Frage, welche Wirkung ein beschränktes Profil bei eben dieser Gruppe hinterlässt: wird man für einen Spießer gehalten, weil man nicht alles mit Leuten aus der Firma teilen will? Ist es gar verdächtig, dass der studentische Mitarbeiter etwas zu verstecken hat?

 

Die letzte Möglichkeit: doppelte Identität

Als letzter Ausweg bleibt es schließlich noch, zwei Profile in den einschlägigen Freizeit-Netzwerken zu haben. Im StudiVZ haben das viele User vorgemacht, als die Angst umging die Daten der Nutzer könnten zu Werbezwecken missbraucht werden. Der einzige Nachteil: auch Studenten und Freunde können sich untereinander weniger leicht finden.

 

Und jetzt?

Facebook wandelt sich also immer mehr vom Studentennetzwerk hin zum Allrounder der social networks. Geschäftskontakte bleiben somit nicht mehr nur XING vorbehalten, sondern werden zunehmend auch auf das eher „private“ facebook ausgedehnt. Ein Umstand der die Trennung von Job und Privatleben auch im Internet schwieriger macht. Ein Patenrezept gibt es nicht, denn netten Kollegen, mit denen man sich gut versteht und die man auch mal privat trifft gibt man gerne einen tieferen Einblick ins eigene Privatleben. Weniger gerne lässt man dagegen z.B. die Kollegen des eigenen Partners, die man mal auf einer Weihnachtsfeier kennen gelernt hat die Urlaubsbilder durchstöbern.

Deshalb plädiere ich für einen ehrlichen Umgang mit gruppenspezifische Profilbeschränkungen – schließlich würde man manche Leute eben auch im “echten Leben” nicht gleich zu sich nach Hause einladen. 

 

Links

Über die zukünftige Entwicklung der sozialen Netzwerke gab es einen Vortrag (The future of social networks: Social networks will be like air) von Charlene Li (via Thomas Pleils lesenswertem Beitrag).  Die Folien sind hier zu finden, ein zusammenfassender Artikel hier

Grafik: facebook by CC publicmind.

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