iPad – Nutzungsszenarien

Bildausschnitt des Apple-Videos. CC siehe Link. CC: Tom Raftery.

Apple ist sehr gut darin, Menschen (insbesondere mich) für Produkte zu begeistern, die rational betrachtet nicht unbedingt zum Überleben nötig sind. Das iPad ist so ein Gerät.

Zu meiner Verteidigung, wenn ich bald frühmorgens und frierend vor dem Apple Store in München angetroffen werde, sage ich schon jetzt: ja, ich habe Verwendung für dieses “magical device” und ich habe es mir bereits mehrfach (noch vor seiner Vorstellung) gewünscht. Und zwar immer dann, wenn ich recht unbequem mit eeePC oder iPhone surfenderweise auf dem Sofa oder im Bett gelümmelt bin. Natürlich darf man nicht vergessen, dass das iPad eher etwas für Leute mit etwas mehr Zeit ist, bzw. für Menschen, die sich die Zeit zum Medienkonsum bewusst nehmen. Das bringt mich auch schon zum ersten (und von Apple bisher eventuell etwas verkannten Nutzungsszenario):

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Der langsame Tod der Tageszeitung

CC by pigeonpoocc by pigeonpoo

Es gibt diese Tage, da wird einem wiedermal bewusst, wie sehr sich die Nachrichten- und mit ihr die Medienwelt verändert hat. In der SZ, die heute – wie jeden Morgen – vor meiner Haustür lag, war von Mike Tysons Tochter die Rede, die sich in einer lebensbedrohlichen Situation befinde. Nach dem Frühstück fiel mir bei Spiegel Online eine Meldung auf, die vom Tod des Mädchens berichtete. Sicher fallen Nachrichten wie diese, ungeachtet ihrer menschlichen Tragik, in den Gossip-Bereich – aber sie verdeutlichen, dass Tageszeitungen, für die Verbreitung aktueller Nachrichten, einfach nicht mehr das Medium der Wahl sind. Aufgrund ihrer physischen Beschaffenheit werden sie von Digitalmedien im entscheidenden Faktor Geschwindigkeit überholt. Während es für die Allgemeinheit von eher untergeordneter Bedeutung ist, ob sie vom Tod der Tochter Mike Tysons in der Mittwochs- oder der Donnerstagsausgabe erfahren, spielt die Aktualität bei anderen Nachrichten, wie z.B. Meldungen aus (internationaler) Politik und Wirtschaft  jedoch eine Schlüsselrolle.

Eine Lanze für den Qualitätsjournalismus

Für Zeitungsverlage bleibt also nur eines: sie müssen sich auf ihre Kernkompetenzen besinnen und das ist handwerklich guter Journalismus. Aktuelle Meldungen und die schnelllebigen Nachrichtenwelt sollten in den Hintergrund treten und den (eigenen) Online-Medien überlassen werden; stattdessen müssen sorgfältig recherchierte, investigative und tiefergehende Berichte über das informieren, was im täglichen Nachrichtenalltag verloren geht. So können Journalisten zudem weiterhin ihre Aufgabe als “vierte Gewalt” wahrnehmen und Politik und Wirtschaft auf die Finger (sc)hauen. Mit dem teils zu beobachtenden unkritischen Übernehmen von Pressemitteilungen und dem Umformulieren von Agenturmeldungen wird in Zukunft (hoffentlich) nichts mehr zu gewinnen sein.

Wozu also Tageszeitung?

Dabei stellt sich aber die Frage: Brauchen wir für diese Art von Journalismus noch die Tages-Zeitung, die ihren Schwerpunkt häufig in der Wiedergabe der momentanen Nachrichtenlage hat, aber gleichzeitig bereits beim Aufschlagen nicht mehr aktuell ist? Vermutlich eignen sich hier wöchentlich erscheinende Publikationen, wie Die Zeit, Der Spiegel und Sonntagszeitungen viel besser. Im FAZ-Verlag hat sich beispielsweise die Sonntagszeitung (FAS) in den letzten Jahren stark entwickelt und weist bereits eine fast genauso hohe Auflage auf, wie die Wochentagsausgabe.

Das Wochenmagazin als Zukunftsmodell?

Im SZ-Magazin (!) “Wozu Zeitung” wurde diese Idee am Beispiel des Christian Science Monitor ebenfalls thematisiert. Die ehemalige Tageszeitung erscheint nun nur noch online und die Sonntagsausgabe wurde zu einem (Print-)Magazin ausgebaut. Auch unter ökonomischen Gesichtspunkten kann diese Aufteilung sinnvoll sein: immerhin werden so die hohen Produktions- und Logistikkosten, die beim Print anfallen reduziert, während gleichzeitig die Chance besteht im Internet Werbeeinnahmen zu generieren.

Auch Deutschlands erfolgreiche Nachrichtenseite Spiegel Online mit seinem Printmagazin Der Spiegel können als funktionierendes Beispiel für diese Strategie angeführt werden. Dabei hängt das Gelingen auch vom Umstand ab, dass sich Online-Dienst und Magazin von Anfang an ergänzt haben und nicht in Konkurrenz miteinander standen.

Das Wochenzeitungsmodell stellt damit zumindest mittelfristig einen interessanten Ausweg aus der Zeitungskrise dar – abzuwarten bleibt, ob sich das Modell auf längere Sicht bewährt oder ob wöchentliche Publikationen in einigen Jahren denselben Gang wie die Tageszeitungen gehen. Aber mal ganz ehrlich: mit einer schönen (Sonntags-)Zeitung im Café zu sitzen ist doch etwas anderes, als mit dem Laptop oder?

Old Media haben schon auch was…

CC by photo galleryCC by photogallery.

Ich habe den heutigen Abend mit der Lektüre der FAS verbracht und muss sagen: es war nicht nur entspannend, sondern wirklich mal wieder recht informativ. Wenn ich Nachrichten im Internet lese, habe ich oft das Gefühl, etwas gehetzt zu sein – meist überfliegt man Meldungen, die einen – sagen wir mittelmäßig interessieren – bloß und ist schon bei der nächsten Sache. Bei so einer gemütlichen Zeitungslektüre ist das, zumindest bei mir, irgendwie anders, da lese ich zwa auch nicht alle Artikel, aber ich nehme mir doch eher die Zeit einen Artikel, der nicht so in mein “Beuteschema” passt, mehr oder weniger in Ruhe durchzulesen. Und das erweitert ja unbestritten den Horizont (ich hatte z.B. bisher noch nie etwas von einem Food-Philosoph names Pollan gehört).

Fragt sich nur, woher diese andere Art der Lektüre kommt? Zum einen sind es natürlich die äußeren Umstände: wenn man mal schnell SpOn checkt, hat man weniger Zeit für tiefergehendes Lesen, als an einem gemütlichen Sonntag. Aber abgesehen davon, ich glaube, dass ich Zeitungsartikel ein höheres Vertrauen entgegenbringe, was die Qualität und den erwarteten Informationswert betrifft – und bin deshalb eher bereit mich auf den Text einzulassen. Das hängt auch mit dem physisch begrenzten Platz in Zeitungen zusammen – da muss immer noch von Redakteuren entschieden werden, ob es ein Artikel wert ist, zu erscheinen. Im Internet (v.a. bei Blogs) läuft das anders und auf die Schwarmintelligenz ist ja auch nicht immer Verlass, deshalb lese ich dort auch nur Beiträge, deren Überschrift mich interessiert.

Genug Reflexion für heute – weiter im Netz ;)

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