Der Auto-Bonus der großen Koalition

cc by AR

Die deutsche Automobilbranche liegt danieder: die Opelwerke machen Pause, BMW kündigt verlängerte Weihnachtsferien an und auch Automobilzulieferer Bosch gibt seinen Beschäftigten wegen geringer Nachfrage frei. Schuld sei die Finanzkrise, heißt es einhellig aus Politik und Wirtschaft. Wirklich?

Immerhin stellt sich die Frage, ob diese Begründung wirklich den gesamten Problembereich der deutschen Autobranche erfasst. Schließlich gelten besonders die deutschen Premiumhersteller nicht gerade als Produzenten klimafreundlicher Wagen, wohingegen sich die japanische Konkurrenz, namentlich Toyota (mit dem Prius und einigen Lexus-Modellen) und Honda bereits in der Öffentlichkeit als umweltfreundlich positionieren konnte. Sogar GM rührt für sein Elektro-Fahrzeug, den Volt, kräftig die Werbetrommel. Dass die Zeiten der Sprit schluckenden Dickschiffe und SUVs gezählt sind, spürt außerdem auch der hartnäckigste Klimawandel-Leugner spätestens an der Tankstelle – Gletscherschmelze hin oder her, es wird zunehmend unwirtschaftlich große Fahrzeuge zu bewegen. Und so sehen auch die Autofahrer mit den Hybrid- oder Elektrofahrzeugen, die die Industrie für die Zukunft versprochen hat, einen Silberstreif am Horizont – günstiger und umweltfreundlicher fahren, das könnten bald Wirklichkeit werden. Warum also noch ein „herkömmliches“ Neufahrzeug anschaffen, wenn die Zukunft aus den Automobilsalons vielleicht schon bald zu kaufen ist? Hat die deutsche Autokrise also vielleicht nicht nur mit den Turbulenzen an den Finanzmärkten (was freilich dazu den globalen Absatz stocken lässt), sondern auch mit einer Abstrafung durch die Verbraucher für eine überholte Modellpolitik zu tun?

Damit der Autofahrer trotzdem kauft, hat die Regierung jetzt ein Hilfspaket für die Autoindustrie aufgelegt – einerseits verständlich angesichts von 760.000 (Quelle: BMVBS) direkt dort Beschäftigten und einer noch höheren Zahl an Arbeitnehmern in der Zulieferer-Industrie. Durch das heute beschlossene Paket werden Neuwagenkäufer ein oder zwei Jahre von der Kraftfahrzeugsteuer befreit. Allerdings wird damit auch die wenig zukunftsweisende Modellpolitik vieler Auto-Hersteller weiter unterstützt. Zudem ist der Schritt auch im Hinblick auf den Klimawandel, dessen Folgen Merkel und Gabriel ja seinerzeit persönlich im gar nicht mehr so ewigen Eis besichtigt haben, wenig verständlich. Sicher, manche (!) Neuwagen mögen Sprit sparender sein, aber auch für die Produktion eines neuen Autos werden Unmengen an Energie benötigt. Unverständlich bleibt außerdem, warum auch Käufer eines neuen Spritschluckers zumindest ein Jahr lang von der Kfz-Steuer befreit werden.

Zu guter letzt sollte nicht vergessen werden, dass der Steuerzahler für diese Unterstützung der Auto-Industrie (mit ihren momentan weniger überzeugenden Produkten) aufzukommen hat.

Der Autor ist kein Grünen-Anhänger, sondern leidenschaftlicher Autofahrer (Leiden-schaft ist übrigens eine Eigenschaft die man im Hinblick auf die Kraftstoff-Preise, Parkgebühren usw. durchaus mitbringen sollte).

Ein lesenswerter Artikel über den automobilen Paradigmenwandel in Deutschland ist bei der Zeit zu finden. 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s