Selten dieser Tage: Lob für die Bahn

ICEICE. CC by Tiexano.

Rücktrittsforderungen gegenüber Mehdorn, Datenskandal, kaputte Achsen und immer wieder Verspätungen – die Bahn hat scheinbar ein Abo auf schlechte Presse. Hier kommt der Gegenbeweis:

Dass alles im Leben relativ ist, zeigt der Blogbeitrag von Dave Demerjian im Wired Blog Autopia, denn dieser tut etwas, das für manch Leid geplagten Bahnkunden wohl unverständlich ist: er wünscht sich den ICE für sein Heimatland USA. Der Autor kann sich zwar nicht für die DB-Regio-Züge erwärmen, ist aber dafür von der perfekten Organisation der Anschlusszüge begeistert (ich kenne geschätzte 128 Fälle aus meinem Bekanntenkreis, die vom absoluten Gegenteil berichten…):

„The high-speed train that would carry me to Vienna was literally five steps across the platform where my dirty little RB pulled in, a perfect example of German organization and efficiency.“

Weiter geht die Reise dann im ICE und Demerjian kommt aus dem Schwärmen nicht mehr heraus:

„It puts the airlines to shame, what with the plush leather seats, oak tables, high ceilings, and sparkling glass doors. A little voice inside my head  thought it was a bit extreme, but it was quickly drowned out by a uniformed Deutsche Bahn attendant politely asking if I’d care for a drink and offering a selection of complimentary newspapers. Later, I was served a meal on real china with proper flatware. 

The experience underscored how miserable air travel can be. I had plenty of space for my bulky bag, and the legroom – imagine that! legroom! – was like nothing I’ve experienced on a commercial flight. The experience was calming and relaxing, with passengers whiling away the time reading, tapping away at laptops, or sleeping in comfortable reclining seats. A glowing sign at the front of the car informed us of our speed and arrival time. For the next five hours I glided through Germany and into Austria on the smoothest, quietest train I’ve ever experienced, sipping German beer in frosty glasses most of the way. (…) Five hours on the Intercity Express, and I’m a believer.“

So ein Bericht sollte der Deutschen Bahn doch runtergehen wie Leinöl, oder? Und obwohl sich meine persönlichen Erfahrungen mit Bahnreisen in sehr engen Grenzen halten, frage ich mich: Was gibt es eigentlich dauernd an der Bahn herumzumeckern? Ist das ein typisch deutsches Phänomen, oder sind wir einfach nur zu verwöhnt? Wenn ein Amerikaner so von unserem ICE begeistert ist, warum schaffen wir es nicht auch, dem DB-Flaggschiff ein bisschen mehr Sympathie entgegenzubringen? 

Und weiter sollte ich mich fragen: warum fahre ich eigentlich so selten Bahn? Zumindest auf letzteres kenne ich die Antworten: 1. Faulheit (und der Wunsch nach Flexibilität) siegt meistens; 2. das unglaublich komplizierte Tarifsystem der Bahn; 3. häufig überfüllte Züge – alles kann ein amerikanischer Blogger eben auch nicht wissen.

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Ein Gedanke zu „Selten dieser Tage: Lob für die Bahn

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