Der langsame Tod der Tageszeitung

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Es gibt diese Tage, da wird einem wiedermal bewusst, wie sehr sich die Nachrichten- und mit ihr die Medienwelt verändert hat. In der SZ, die heute – wie jeden Morgen – vor meiner Haustür lag, war von Mike Tysons Tochter die Rede, die sich in einer lebensbedrohlichen Situation befinde. Nach dem Frühstück fiel mir bei Spiegel Online eine Meldung auf, die vom Tod des Mädchens berichtete. Sicher fallen Nachrichten wie diese, ungeachtet ihrer menschlichen Tragik, in den Gossip-Bereich – aber sie verdeutlichen, dass Tageszeitungen, für die Verbreitung aktueller Nachrichten, einfach nicht mehr das Medium der Wahl sind. Aufgrund ihrer physischen Beschaffenheit werden sie von Digitalmedien im entscheidenden Faktor Geschwindigkeit überholt. Während es für die Allgemeinheit von eher untergeordneter Bedeutung ist, ob sie vom Tod der Tochter Mike Tysons in der Mittwochs- oder der Donnerstagsausgabe erfahren, spielt die Aktualität bei anderen Nachrichten, wie z.B. Meldungen aus (internationaler) Politik und Wirtschaft  jedoch eine Schlüsselrolle.

Eine Lanze für den Qualitätsjournalismus

Für Zeitungsverlage bleibt also nur eines: sie müssen sich auf ihre Kernkompetenzen besinnen und das ist handwerklich guter Journalismus. Aktuelle Meldungen und die schnelllebigen Nachrichtenwelt sollten in den Hintergrund treten und den (eigenen) Online-Medien überlassen werden; stattdessen müssen sorgfältig recherchierte, investigative und tiefergehende Berichte über das informieren, was im täglichen Nachrichtenalltag verloren geht. So können Journalisten zudem weiterhin ihre Aufgabe als „vierte Gewalt“ wahrnehmen und Politik und Wirtschaft auf die Finger (sc)hauen. Mit dem teils zu beobachtenden unkritischen Übernehmen von Pressemitteilungen und dem Umformulieren von Agenturmeldungen wird in Zukunft (hoffentlich) nichts mehr zu gewinnen sein.

Wozu also Tageszeitung?

Dabei stellt sich aber die Frage: Brauchen wir für diese Art von Journalismus noch die Tages-Zeitung, die ihren Schwerpunkt häufig in der Wiedergabe der momentanen Nachrichtenlage hat, aber gleichzeitig bereits beim Aufschlagen nicht mehr aktuell ist? Vermutlich eignen sich hier wöchentlich erscheinende Publikationen, wie Die Zeit, Der Spiegel und Sonntagszeitungen viel besser. Im FAZ-Verlag hat sich beispielsweise die Sonntagszeitung (FAS) in den letzten Jahren stark entwickelt und weist bereits eine fast genauso hohe Auflage auf, wie die Wochentagsausgabe.

Das Wochenmagazin als Zukunftsmodell?

Im SZ-Magazin (!) „Wozu Zeitung“ wurde diese Idee am Beispiel des Christian Science Monitor ebenfalls thematisiert. Die ehemalige Tageszeitung erscheint nun nur noch online und die Sonntagsausgabe wurde zu einem (Print-)Magazin ausgebaut. Auch unter ökonomischen Gesichtspunkten kann diese Aufteilung sinnvoll sein: immerhin werden so die hohen Produktions- und Logistikkosten, die beim Print anfallen reduziert, während gleichzeitig die Chance besteht im Internet Werbeeinnahmen zu generieren.

Auch Deutschlands erfolgreiche Nachrichtenseite Spiegel Online mit seinem Printmagazin Der Spiegel können als funktionierendes Beispiel für diese Strategie angeführt werden. Dabei hängt das Gelingen auch vom Umstand ab, dass sich Online-Dienst und Magazin von Anfang an ergänzt haben und nicht in Konkurrenz miteinander standen.

Das Wochenzeitungsmodell stellt damit zumindest mittelfristig einen interessanten Ausweg aus der Zeitungskrise dar – abzuwarten bleibt, ob sich das Modell auf längere Sicht bewährt oder ob wöchentliche Publikationen in einigen Jahren denselben Gang wie die Tageszeitungen gehen. Aber mal ganz ehrlich: mit einer schönen (Sonntags-)Zeitung im Café zu sitzen ist doch etwas anderes, als mit dem Laptop oder?

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