Klick mich! Klick mich! Klick mich!

Satire einer Clickbait-ÜberschriftJa, mehr Klicks wollen wir alle. Deshalb ist die Versuchung, so genanntes Clickbaiting oder Link baiting zu betreiben auch so groß. Unter dem Begriff versteckt sich das, was wir tagtäglich von großen Medienhäusern, aber auch von Bloggern in den sozialen Netzwerken zugemutet bekommen. Facebook Posts wie z.B. „From head to toe, it’s full of surprises – 5 fascinating things you don’t know about your body“ (Huffington Post) haben nur ein Ziel: Nutzer neugierig zu machen und zum Anklicken des Artikels zu bewegen. Grundsätzlich ist das natürlich nichts falsches, aber dauerhaft betrieben, kann Clickbaiting eine risikoreiche Strategie sein.

Was ist das Problem von Clickbait?

Clickbait-Posts bieten dem Nutzer beim bloßen Lesen in der Regel keinerlei Mehrwert, wenn sie den Artikel nicht anklicken. Im günstigsten Fall überzeugt der verlinkte Artikel dann mit interessantem Inhalt. Kritisch wird es aber, wenn auch darin keine wirklich relevanten Informationen stecken. Im Artikel des obigen Beispiels lesen wir unter anderem als Punkt fünf: „You are not the only woman in the room who is secretly freaking out about something.“ Bahnbrechend Neuigkeiten sehen anders aus, zudem geht es in diesem Artikel allein um den weiblichen Körper – auch das verschweigt die Ankündigung bei Facebook. Vielleicht zur Steigerung der Klickzahlen?

Clickbait ist nicht nachhaltig

In der Folge äußern die Nutzer nicht nur ihren Unmut bei Facebook (im Beispiel: „Man I was hoping this was interesting“), sie hören im ungünstigsten Fall irgendwann auf, dem Angebot zu folgen. Kurzzeitig mag es zwar gelingen, mit Clickbait-Strategien die Besucherzahlen auf der Website positiv zu beeinflussen, auf lange Sicht dürfte sich dieses Vorgehen allerdings negativ auf die Fanzahlen auswirken.

Clickbait bei Facebook und Google+ vs. Twitter

Zwischen den social Networks gibt es in dieser Hinsicht jedoch auch Unterschiede. Facebook und Google+ geben dem Seitenbetreiber viele Möglichkeiten, die Nutzer direkt im jeweiligen Netzwerk umfassend zu informieren. Zum einen gibt es keine knappe Zeichenbeschränkung, zum anderen können dort auch Bildergalerien eingestellt und im Falle von Google+ sogar Formatierungen vorgenommen werden. Twitter mit seinem 140-Zeichen-Limit bietet zwar auch die Möglichkeit, ein Foto anzuhängen oder mit Twitter-Cards Zusatzinfos bereitzustellen, allerdings bleibt für die Kern-Informationen dennoch nur wenig Raum. „Clickbaitige“ Überschriften dürften daher von Twitter-Followern eher akzeptiert werden, als von Facebook- oder Google+ Fans.

Fazit

Es hilft, sich regelmäßig bewusst zu machen, warum sich ein Nutzer mit dem Angebot vernetzt hat und diese Erkenntnisse mit der eigenen Gesamt-Online-Strategie rückzukoppeln. Also: Was erwarten die Nutzer von meinem Angebot und was möchte ich erreichen?

Tipps für Facebook- und Google+ Posts:

  • Bildergalerie bei Facebook/Google+ erstellen, anstatt nur auf die Galerie auf der eigenen Website zu verlinken. BMW macht das beispielsweise bei Facebook, große Medienhäuser nicht – obwohl wir uns doch auf deren Websites sonst kaum vor Bilderstrecken retten können.
  • Einige spannende Infos direkt in den Post packen. Das kann die Reichweite erhöhen, weil mehr Nutzer den interessanteren Post teilen, außerdem bekommen auch Mobilnutzer einen Mehrwert, die vielleicht aktuell nicht die Seite öffnen möchten.
  • Keine „doofen“ Fragen stellen. Nutzerinteraktion ist wichtig, aber nicht alles, hier gilt es die eigenen Fans richtig einzuschätzen, um „blöde“ Antworten zu vermeiden.
  • Mehrwert und Vielfalt bieten. So überzeugt die Facebook-Seite auch einen potenziellen neuen Fan, der zum ersten Mal einen Blick darauf wirft.

Und wer partout clickbaiting betreiben will, findet auf der Seite upworthygenerator.com eine nicht ernst gemeinte Unterstützung dafür.

TdW: Content Marketing, User-Zahlen, Davos, DLD, Facebook

Zum Wochenausklang noch einmal die wichtigsten Themen in der Retrospektive: Handverlesene Artikel rund um PR, social Media und Digitalisierung.
Marken werden Medien, stellt Steffen Meier zum Thema Content Marketing richtig fest.
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Der GlobalWebIndex hat in dieser Woche seine Ergebnisse zum Thema Social Media veröffentlicht. Dabei legen Instagram, Reddit und LinkedIn die größten Wachstumsraten vor, Facebook, YouTube und Google+ dominieren in absoluten Nutzerzahlen, schreibt T3N.
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Bei einem Experten-Chat der Deutschen Bank auf Facebook sollte es eigentlich um das Thema Geldanlage gehen. Aktivisten der NGO „Foodwatch“ haben den Chat allerdings als Plattform genutzt, um das Thema Lebensmittelspekulation zu diskutieren. Meedia zieht drei Lehren aus der Geschichte: Kommunikation im Social Web bleibt schwer zu kontrollieren, Transparenz ist ein Muss und Größe ist relativ.
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Facebook hat seinen Algorithmus für Page-Posts verändert. Posts mit einem Link werden Nutzern häufiger angezeigt, reine Text-Updates werden vom Algorithmus seltener in den Newsfeeds der User platziert. Eine nach wie vor hohe Reichweite haben Posts, die Bilder enthalten. Facebook begründet den Schritt damit, dass Nutzer mit Link- und Foto-Beiträge deutlich häufiger interagieren als mit reinen Text-Updates. Mehr dazu bei Allfacebook.de.
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Beim DLD in München wurde dieses Jahr wieder intensiv über das Internet und Zukunftsthemen diskutiert – kurze kompakte Tageszusammenfassungen bei Daniel Fiene.
Das WEF in Davos hat sich bei seiner Auftaktsession dem Thema „The New Digital Context“ gewidmet und unterstrichen, welche große Rollte die Digitalisierung für die Weltwirtschaft spielt. Hier gibt es das Video und hier einen zusammenfassenden Artikel der „Welt“.
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In ihrem „Weckruf für 2014“ spricht sich Kerstin Hoffmann dagegen aus, Social Media und klassische PR als getrennte Welten zu sehen.
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Facebook-Zahlen I: Indonesien ist Facebooks viertgrößter Markt und viele Nutzer dort haben über 1.000 Freunde. Gute Chancen für Marken, wenn sie Facebook richtig nutzen, schreibt Weber Shandwick.
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Facebook-Zahlen II: Das soziale Netzwerk hat auf eine Studie der Uni Princeton reagiert, wonach Facebook bis 2015 80 % seiner Nutzer verloren haben wird und die Studie als Nonsens bezeichnet.

Online-Kommunikation: „Gelber Engel“ gibt Starthilfe

Seit den Veröffentlichungen der Süddeutschen Zeitung über Manipulationen beim Autopreis „Gelber Engel“ musste sich der ADAC jede Menge Hohn, Spott und Beschimpfungen gefallen lassen, sogar eine Zerschlagung des Autoclubs wurde gefordert. In Zeitungen und Online-Medien wurde die Manipulation der Umfrage scharf kritisiert und die anfängliche Medienschelte – für die sich der Geschäftsführer nun entschuldigt hat – machte die Sache natürlich auch nicht besser.

Bei Twitter und Facebook wurde das Thema ebenfalls heiß diskutiert und die Nutzer äußerten ihre Meinungen natürlich auch zahlreich auf der Facebook-Seite des ADAC. Rund 2.000 Kommentare zum Thema „Gelber Engel“ sind dort derzeit zu lesen. Zwar drohen viele dort mit der Kündigung ihrer Mitgliedschaft, aber nicht alle Kommentare sind negativ. Viele Nutzer berichten auch von ihren persönlichen guten Erfahrungen mit Hilfeleistungen des Clubs. Der ADAC selbst reagierte vor allem mit dem Posten von aktuellen Stellungnahmen.

Direkt unter dem aktuellsten Post des ADAC steht ein Kommentar, der nicht nur wegen seiner bisher über 300 Likes ins Auge sticht. Das Profilbild zeigt einen echten „gelben Engel“ wie sie täglich zahlreich auf deutschen Straßen unterwegs sind, um Autofahrern aus der Bredouille zu helfen.

Er schreibt:

„Ich bin selbst Mitarbeiter des ADAC als gelber Engel. Und unabhängig von sehr unschönen Ereignissen rund um den Club in den letzten Tagen, denke ich, das wir einen sehr guten Job machen… Ich gebe jedenfalls täglich mein bestes um Autofahrern in Not zu helfen. Ich werde gut geschult, meine Ausrüstung ist top… Meine Kollegen in den Lüften, retten täglich Menschenleben. Es wäre wirklich schön wenn sich einige Mitglieder auf diese wichtigen Dinge besinnen würden. Ich kann hier nur für mich sprechen, meine Meinung muss nicht die des ADAC sein… Aber ich werde auch weiterhin alles tun um den Mitgliedern meines Arbeitgebers zu helfen.“

Bei den Usern kam dieses Statement extrem gut an, das zeigen neben den Likes auch die vielen positiven Antworten auf seinen Beitrag. Und während offenbar die Zahl der Kündigungen von ADAC-Mitgliedschaften deutlich steigt und Köpfe rollen, lernen wir aus dieser Kommunikationskrise auch: Sympathie kann man auch online durch authentische Mitarbeiter zurückgewinnen.

Vor dem ADAC liegt jetzt ein großes Stück Arbeit, denn nach einer vollständigen, transparenten Aufklärung folgt dann das mühsame Geschäft, das angekratzte Image wieder aufzupolieren. Sympathische Mitarbeiter, die echte Werte des ADAC auch online authentisch weitertragen, können da sicher nur hilfreich sein.