Kurznotiz: Kindle doch nicht so global

Wired weist darauf hin, dass der „International Kindle“ stärker eingeschränkt ist, als bisher bekannt. So sei der in den USA kostenfreie Zugriff auf das Web und bestimmte Blogs außerhalb der Vereinigten Staaten gar nicht erst möglich. Außerdem werde das Gerät mit amerikanischem Stecker geliefert, somit sei man auf unschöne Adapter angewiesen.

Grund für den eingeschränkten Internetzugang dürfte sein, dass Amazon noch keine günstigen Vereinbarungen Mobilfunkbetreibern getroffen hat und so vermutlich hohe Roaming-Gebühren für den Internetzugriff seiner Kunden bezahlen muss. Da der Kindle-Nutzer für den Buchkauf zahlt, für die Nutzung von Web und Blogs aber nicht extra zur Kasse gebeten wird, sperrt Amazon diese Funktion außerhalb der USA.

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Kindle wird global

Kindlecc by Brian Brooks

Der Kindle, der iPod der Bücher, wenn man so will, ist nun auch in Deutschland verfügbar – das heißt: fast. Zunächst hört sich das Angebot verlockend an: der begehrte E-Book-Reader von Amazon ist für 279 US-$, also knapp 190 Euro zu bestellen. Das Gerät wird ganz einfach über das Handynetz mit Lesestoff von Amazon beschickt und für den Nutzer fallen, abgesehen von den Kosten für das Buch, keine Mobilfunkgebühren, monatliche Kosten o.ä. an. Ebenso kostenlos ist der Zugang zu vielen bekannten Blogs und Wikipedia.

Diese verlockenden Features kann der Kindle-User jetzt, zu unveränderten Konditionen, in über 100 Ländern weltweit nutzen. So weit so gut. Abgesehen von der Abhängigkeit von einem Buchhändler, nämlich Amazon, und der Tatsache, dass dieser Bücher ebenso schnell wieder vom Gerät verschwinden lassen kann, ist der Bestellprozess für deutsche Kunden recht umständlich: Der Kindle kann nur über Amazon.com bestellt werden; der Europäer profitiert damit vom günstigen Dollar-Kurs, muss aber hohe Versandkosten und diverse Zollgebühren tragen. Spiegel Online errechnete einen Endpreis von ca. 300 Euro.

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Gutenberg reloaded

Amazon Kindle

Zugegeben, das „Ende des Buches / Papiers“ wurde schon des öfteren heraufbeschworen, es ist allerdings bisher noch lange nicht eingetreten. Ein schönes Beispiel dafür ist das „papierlose Büro“, das uns schon den in den 90er Jahren versprochen wurde und von dem heute – es wird noch mehr gedruckt als früher – nicht viel zu sehen ist.

Trotzdem fühle ich das Ende des Mediums Papier nahen und zwar nicht nur, weil immer mehr Leute auch in Deutschland statt zur Zeitung eher zum Handy oder Notebook greifen, um sich mit Nachrichten zu versorgen. Vielmehr gab es in der letzten Zeit drei Dinge, die diesen bisher lediglich empfundenen Wandel zumindest für mich greifbarer gemacht haben.

Zum einen war dies das Amazon Kindle (Wikipedia), ein E-Book-Reader mit Mobilfunk-Anbindung, auf dem man elektronische Bücher nicht nur lesen, sondern auch kaufen kann. Nebenbei kann man sich für knappe 10 US-$ im Monat das Wallstreet Journal abonnieren, das dann jeden morgen drahtlos aufs Gerät geladen wird und, neben einigen anderen Funktionen, unterwegs auf Wikipedia zugreifen. Das Gerät gibt es für 399 $ ohne zusätzliche Kosten (sprich ohne Übertragungskosten über das Mobilfunknetz) momentan nur für den amerikanischen Markt. Auf die Nachteile, wie z.B. den proprietären E-Book-Standard, soll hier nicht eingegangen, festzuhalten bleibt: elektronisches Papier ist alltagstauglich, bezahlbar und bequem.

Die zweite faszinierende Meldung war nur eine kleine Notiz bei Spiegel-Online (ehemals bekannt für schlecht recherchierte Apple-Artikel): eine größere amerikanische Zeitung mit immerhin über 90-jähriger Geschichte hört auf als Printversion zu erscheinen und wird zukünftig ausschließlich im Internet publizieren — schlicht und einfach um als Marke überleben zu können.

Und die dritte Sache, das ist die Entscheidung des Verlages die Brockhaus-Enzyklopädie nicht mehr zu drucken, sondern nur noch gratis im Internet verfügbar zu machen. Als Meldung nachzulesen bei Welt oder aber etwas interessanter und philosophischer, allerdings mit meines Erachtens weniger gelungener Schlussfolgerung im Feuilleton der Süddeutschen.

Zusammenfassend: Elektronisches Papier scheint marktfähig zu sein, obwohl es sicher noch in hohem Maße verbesserungswürdig ist (aber sehen wir uns doch mal den ersten iPod an…) und eine Zeitung beschließt, ebenso wie der renommierteste deutsche Lexikonverlag, ihre – ja was denn nun? – „Erzeugnisse“ ausschließlich online und zwar umsonst zu veröffentlichen.

Vermutlich befinden wir uns nun also tatsächlich bereits deutlich im Umbruch zu einem Zeitalter, in dem die letzte (?) jahrhundertealte Konstante unserer Kultur, das gedruckte Buch, schließlich ebenfalls in der digitalen Welt aufgehen wird — mit allen Chancen, mit allen Risiken.

Picture by srharris (creative-commons-license).