Raus in die Welt

Wie die Grenzen sozialer Netzwerke mit social Plugins verschwinden.

Facebook machte es mit dem „Like“-Button bereits 2010 vor: die Öffnung des bisher geschlossenen Systems für andere Websites. Websitebetreibern bietet Facebook eine breite Auswahl an sogenannten „social Plugins“ an, die sich leicht in die eigene Website integrieren lassen und das Webangebot mit dem social Network vernetzen. So können Nutzer mit einem Klick Artikel mit ihren Facebook-Freunden teilen oder z.B. Fan einer Seite werden.

Twitter, Google+ und auch das deutsche Netzwerk XING bieten mittlerweile ähnliche Funktionen, um es den Usern und Website-Betreibern möglichst leicht zu machen, Content in ihren Netzwerken zu verbreiten.

Vom Like-Button zum Embed-Code
Twitter begann bereits früh auch in die umgekehrte Richtung zu denken – nämlich nicht nur den Content ins eigene Netzwerk zu bringen, sondern auch die Inhalte von Twitter für Seitenbetreiber bereitzustellen. Seit 2011 bietet Twitter die Option an, Tweets per Code in Websites einzubinden, so wie es bei Video-Diensten bereits länger gang und gäbe ist. Vor kurzem hat nun auch Facebook nachgezogen und lässt User ebenfalls einzelne Posts auf  Websites einbetten.

Social Networks sind keine geschlossenen Sphären mehr
Soziale Netzwerke waren für User früher in der Regel abgeschlossene Räume zum Austausch mit Freunden und der Familie. Doch diese Trennung vom „übrigen Internet“ verschwimmt zumindest bei den angestammten sozialen Netzwerken immer mehr. Durch social Plugins und Einbettungsfunktionen werden Inhalte von Facebook und Twitter gewissermaßen portabel und können, einmal kreiert, unabhängig von ihrem Ursprung einfacher weitergenutzt werden. Von social Networks als begrenzten, abgeschlossenen Sphären kann mittlerweile keine Rede mehr sein.

Dieses einfachere Teilen von Inhalten auf Websites ist im Interesse von Seitenbetreibern aber es hilft auch den Netzwerken selbst. Jeder eingebettete Inhalt ist ein weiterer Weg hinein in den Dienst und damit eine Werbung für User, die dort vielleicht noch nicht registriert sind. Seitenbetreiber profititeren von der einfachen Mehrfachnutzung von Content und damit einhergehend der noch reibungsloseren Interaktion der Nutzer. Folgen, retweeten und liken eines einzelnen Posts werden für User noch bequemer und sorgen für eine stärkere Verbreitung der Inhalte.

Gleichzeitig verliert auch Facebook immer mehr seinen familiären und privaten Touch. Da Facebook aber ohnhein eine immer stärkere Rolle in der professionellen Vernetzung und als Nachrichtenmedium spielt, ist die wirklich private Kommunikation über Facebook für viele Nutzer bereits passé. Snapchat oder klassische Messaging-Dienste wie iMessage oder WhatsApp füllen diese Lücke und bieten dem User private Kommunikation ohne „Internetanschluss“.

Künftig werden wir sicherlich eine noch weitere Vernetzung zwischen Websites und dem Content aus sozialen Netzwerken sehen. Aus Usersicht wünschenswert wäre aber auch ein netzwerkübergreifendes Sharing von Inhalten, das vor allem auch die Kommentarfeeds zusammenführt. Das aber bleibt vorerst Utopie, auch weil es dem Wunsch der Netzwerke, seine Nutzer an sich zu binden nicht entspricht.

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Der langsame Tod der Tageszeitung

CC by pigeonpoocc by pigeonpoo

Es gibt diese Tage, da wird einem wiedermal bewusst, wie sehr sich die Nachrichten- und mit ihr die Medienwelt verändert hat. In der SZ, die heute – wie jeden Morgen – vor meiner Haustür lag, war von Mike Tysons Tochter die Rede, die sich in einer lebensbedrohlichen Situation befinde. Nach dem Frühstück fiel mir bei Spiegel Online eine Meldung auf, die vom Tod des Mädchens berichtete. Sicher fallen Nachrichten wie diese, ungeachtet ihrer menschlichen Tragik, in den Gossip-Bereich – aber sie verdeutlichen, dass Tageszeitungen, für die Verbreitung aktueller Nachrichten, einfach nicht mehr das Medium der Wahl sind. Aufgrund ihrer physischen Beschaffenheit werden sie von Digitalmedien im entscheidenden Faktor Geschwindigkeit überholt. Während es für die Allgemeinheit von eher untergeordneter Bedeutung ist, ob sie vom Tod der Tochter Mike Tysons in der Mittwochs- oder der Donnerstagsausgabe erfahren, spielt die Aktualität bei anderen Nachrichten, wie z.B. Meldungen aus (internationaler) Politik und Wirtschaft  jedoch eine Schlüsselrolle.

Eine Lanze für den Qualitätsjournalismus

Für Zeitungsverlage bleibt also nur eines: sie müssen sich auf ihre Kernkompetenzen besinnen und das ist handwerklich guter Journalismus. Aktuelle Meldungen und die schnelllebigen Nachrichtenwelt sollten in den Hintergrund treten und den (eigenen) Online-Medien überlassen werden; stattdessen müssen sorgfältig recherchierte, investigative und tiefergehende Berichte über das informieren, was im täglichen Nachrichtenalltag verloren geht. So können Journalisten zudem weiterhin ihre Aufgabe als „vierte Gewalt“ wahrnehmen und Politik und Wirtschaft auf die Finger (sc)hauen. Mit dem teils zu beobachtenden unkritischen Übernehmen von Pressemitteilungen und dem Umformulieren von Agenturmeldungen wird in Zukunft (hoffentlich) nichts mehr zu gewinnen sein.

Wozu also Tageszeitung?

Dabei stellt sich aber die Frage: Brauchen wir für diese Art von Journalismus noch die Tages-Zeitung, die ihren Schwerpunkt häufig in der Wiedergabe der momentanen Nachrichtenlage hat, aber gleichzeitig bereits beim Aufschlagen nicht mehr aktuell ist? Vermutlich eignen sich hier wöchentlich erscheinende Publikationen, wie Die Zeit, Der Spiegel und Sonntagszeitungen viel besser. Im FAZ-Verlag hat sich beispielsweise die Sonntagszeitung (FAS) in den letzten Jahren stark entwickelt und weist bereits eine fast genauso hohe Auflage auf, wie die Wochentagsausgabe.

Das Wochenmagazin als Zukunftsmodell?

Im SZ-Magazin (!) „Wozu Zeitung“ wurde diese Idee am Beispiel des Christian Science Monitor ebenfalls thematisiert. Die ehemalige Tageszeitung erscheint nun nur noch online und die Sonntagsausgabe wurde zu einem (Print-)Magazin ausgebaut. Auch unter ökonomischen Gesichtspunkten kann diese Aufteilung sinnvoll sein: immerhin werden so die hohen Produktions- und Logistikkosten, die beim Print anfallen reduziert, während gleichzeitig die Chance besteht im Internet Werbeeinnahmen zu generieren.

Auch Deutschlands erfolgreiche Nachrichtenseite Spiegel Online mit seinem Printmagazin Der Spiegel können als funktionierendes Beispiel für diese Strategie angeführt werden. Dabei hängt das Gelingen auch vom Umstand ab, dass sich Online-Dienst und Magazin von Anfang an ergänzt haben und nicht in Konkurrenz miteinander standen.

Das Wochenzeitungsmodell stellt damit zumindest mittelfristig einen interessanten Ausweg aus der Zeitungskrise dar – abzuwarten bleibt, ob sich das Modell auf längere Sicht bewährt oder ob wöchentliche Publikationen in einigen Jahren denselben Gang wie die Tageszeitungen gehen. Aber mal ganz ehrlich: mit einer schönen (Sonntags-)Zeitung im Café zu sitzen ist doch etwas anderes, als mit dem Laptop oder?

Gutenberg reloaded

Amazon Kindle

Zugegeben, das „Ende des Buches / Papiers“ wurde schon des öfteren heraufbeschworen, es ist allerdings bisher noch lange nicht eingetreten. Ein schönes Beispiel dafür ist das „papierlose Büro“, das uns schon den in den 90er Jahren versprochen wurde und von dem heute – es wird noch mehr gedruckt als früher – nicht viel zu sehen ist.

Trotzdem fühle ich das Ende des Mediums Papier nahen und zwar nicht nur, weil immer mehr Leute auch in Deutschland statt zur Zeitung eher zum Handy oder Notebook greifen, um sich mit Nachrichten zu versorgen. Vielmehr gab es in der letzten Zeit drei Dinge, die diesen bisher lediglich empfundenen Wandel zumindest für mich greifbarer gemacht haben.

Zum einen war dies das Amazon Kindle (Wikipedia), ein E-Book-Reader mit Mobilfunk-Anbindung, auf dem man elektronische Bücher nicht nur lesen, sondern auch kaufen kann. Nebenbei kann man sich für knappe 10 US-$ im Monat das Wallstreet Journal abonnieren, das dann jeden morgen drahtlos aufs Gerät geladen wird und, neben einigen anderen Funktionen, unterwegs auf Wikipedia zugreifen. Das Gerät gibt es für 399 $ ohne zusätzliche Kosten (sprich ohne Übertragungskosten über das Mobilfunknetz) momentan nur für den amerikanischen Markt. Auf die Nachteile, wie z.B. den proprietären E-Book-Standard, soll hier nicht eingegangen, festzuhalten bleibt: elektronisches Papier ist alltagstauglich, bezahlbar und bequem.

Die zweite faszinierende Meldung war nur eine kleine Notiz bei Spiegel-Online (ehemals bekannt für schlecht recherchierte Apple-Artikel): eine größere amerikanische Zeitung mit immerhin über 90-jähriger Geschichte hört auf als Printversion zu erscheinen und wird zukünftig ausschließlich im Internet publizieren — schlicht und einfach um als Marke überleben zu können.

Und die dritte Sache, das ist die Entscheidung des Verlages die Brockhaus-Enzyklopädie nicht mehr zu drucken, sondern nur noch gratis im Internet verfügbar zu machen. Als Meldung nachzulesen bei Welt oder aber etwas interessanter und philosophischer, allerdings mit meines Erachtens weniger gelungener Schlussfolgerung im Feuilleton der Süddeutschen.

Zusammenfassend: Elektronisches Papier scheint marktfähig zu sein, obwohl es sicher noch in hohem Maße verbesserungswürdig ist (aber sehen wir uns doch mal den ersten iPod an…) und eine Zeitung beschließt, ebenso wie der renommierteste deutsche Lexikonverlag, ihre – ja was denn nun? – „Erzeugnisse“ ausschließlich online und zwar umsonst zu veröffentlichen.

Vermutlich befinden wir uns nun also tatsächlich bereits deutlich im Umbruch zu einem Zeitalter, in dem die letzte (?) jahrhundertealte Konstante unserer Kultur, das gedruckte Buch, schließlich ebenfalls in der digitalen Welt aufgehen wird — mit allen Chancen, mit allen Risiken.

Picture by srharris (creative-commons-license).