Netzpolitik und politische Kommunikation – Webmontag in Magdeburg

Webmontag in Magdeburg

Webmontag in Magdeburg

Beim letzten Webmontag in Magdeburg ging es um das Thema „Politik, Partizipation und Transparenz im Netz“ – spannende Diskussionen zu den ebenfalls sehr interessanten Vorträgen waren also vorprogrammiert.
Malte Spitz stellte sein Projekt der eigenen veröffentlichten und visualisierten Vorratsdaten vor, außerdem wurde u.a. über die Arbeit der Enquete Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ diskutiert. Dabei waren die Beteiligung der Netzcommunity und das Bürgerbeteiligungstool Adhocracy die wichtigsten Themen.
Was bei der Debatte um Politik(er) im Netz ein weiteres Mal besonders deutlich wurde, ist das Spannungsfeld zwischen den Erwartungen der Nutzer an authentische Kommunikation und Information und den bestehenden Strukturen der Politik.
„Nur senden allein reicht nicht“, stellte ein Zuhörer in der Diskussion fest und forderte, dass die Politik auf die Bedürfnisse und vor allem auf die Fragen der Bürger eingehen und Antworten geben müsste. Dabei wurde aber ebenfalls klar, dass es weder für einzelne Politiker noch für politische Institutionen einfach ist, online schnelle und befriedigende Antworten auf politische Fragen zu liefern.
Bei einzelnen Abgeordneten spielt nicht nur die Frage, ob sie soziale Medien überhaupt selbst nutzen eine Rolle, auch die begrenzten zeitlichen Ressourcen sind zu berücksichtigen. Platt ausgedrückt: mit einer spontanen @Reply kann man komplexe Fragen verschiedener User z.B. zur Energiepolitik nicht auf die Schnelle beantworten. Trotzdem betreiben immer mehr – und bei weitem nicht nur junge Politiker – aktiven Bürgerdialog im Netz.
Während politische Institutionen, die sich im Social Web bewegen zwar häufig weniger Probleme mit den zeitlichen Ressourcen haben, stehen sie vor der Herausforderung nicht nur als Einzelperson (und damit mit einer Einzelmeinung) auf Fragen zu antworten, sondern stets die gesamte Institution zu repräsentieren. Dafür sind gewisse Abstimmungsprozesse nötig und damit einhergehend wird der Dialog mit der Netzgemeinde zeitlich auch deutlich verzögert. Minutenschnelle Antworten, wie sie im Austausch über das Netz üblich sind, können daher häufig nicht gegeben werden.
In der Diskussion um direkte Demokratie und Bürgerbeteiligung blieben noch einige Fragen offen. Einigkeit herrschte aber darüber, dass der Einsatz von Adhocracy in der Internet-Enquete ein wichtiger Schritt hin zu mehr digitaler Bürgerbeteiligung ist. Während einige die Nutzung solcher Tools im großen Stil forderten, wurde doch auch kritisch über das Thema diskutiert. Vor allem die digitale Spaltung könnte zu Problemen führen, wenn die erreichten Kompromisse nicht die Meinungen aller, auch älterer Bürger widerspiegeln, sondern nur die einer bestimmten Bevölkerungsgruppe.
Festzuhalten bleibt: für die Politik ist das Netz zu einem wichtigen Kommunikationsmedium geworden, der Dialog mit der Netzgemeinde ist aber noch ausbaufähig. Die Online-Bürgerbeteiligung steckt noch in der Erprobungsphase. Tools wie Adhocracy stellen nicht nur Politiker und die repräsentative Demokratie vor neue Herausforderungen, sie verlangen auch eine stärkere Mitarbeit der Bürger. Eine Wahlentscheidung allein reicht dazu nicht aus – gefragt ist eine fundierte Beschäftigung mit Themen und die Teilnahme an Diskussionen. Abzuwarten bleibt, inwieweit sich eine ausreichend große Anzahl an Bürgerinnen und Bürgern findet, die ihre Zeit für die Begleitung politischer Entscheidungen einsetzen möchten.

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Das iPad – mein schneller Testbericht

Berufsbedingt ist es leider im Moment etwas still in und um dieses Blog geworden, ich hoffe trotzdem, dass dieser iPad Testbericht nicht ganz unter geht und dass ich in der nächsten Zeit etwas mehr Muße zum bloggen haben werde.

Ich habe mein iPad 16GB WiFi vor gut einem Monat in New York käuflich erworben. Das war nicht ganz leicht, weil das Teil natürlich begehrt war (und ist) und so waren mehrere Anläufe notwendig, bis es schließlich im 5th Ave. Store geklappt hat.

Wissenswert: ohne Rechner mit iTunes bekommt ihr das Teil nicht zum laufen, ich habe das über das MacBook einer Freundin gemacht, weil ich keinen Nerv hatte mein MB mit nach USA zu nehmen.

Das Gerät an sich ist, wie schon einschlägigen Publikationen zu entnehmen war, der Hammer! Etwas schwerer als zunächst gedacht, aber trotzdem recht dünn und in meinen Augen auch sehr handlich. Es ist natürlich nichts für die Hosentasche, sondern eher etwas fürs Sofa, einen Nachmittag im Cafe, oder die Reise. Zumindest als Mann (ohne Handtasche) nimmt man es also bewusst mit und hat es nicht, wie ein iPhone, sowieso dabei.

Der Touchscreen ist sowohl von der Reaktion als auch von der Helligkeit super – in der prallen Sonne habe ich das Gerät noch nicht benutzt, bisher war es mir nie zu dunkel. Die Auflösung ist, besonders beim Betrachten von hochaufgelösten Videos und Fotos, ebenfalls herausragend. Ich bin zwar in Sachen Geschwindigkeit von meinem iPhone 3G nicht gerade verwöhnt, aber das iPad ist wirklich absolut flink – einziges Hindernis ist wohl mein eigener nicht allzu flotter Internetzugang. Die Akkulaufzeit ist auf jeden Fall bemerkenswert, man muss sich um dieses Thema sicher keine großen Gedanken machen – höchstens auf laaaangen Reisen könnte mal der Saft ausgehen.

Was die Apps angeht, kommt das iPad mit einer etwas kleineren Auswahl als das iPhone. So fehlen bspw. Wetter-App, Rechner oder Weltuhr mit Wecker. Das finde ich ein bisschen schade, weil die Apple-eigenen Apps hier ganz gute Dienste geleistet haben. Die App-Auswahl für das iPad ist mittlerweile eigentlich ganz gut, obwohl es natürlich auch hier noch jede Menge Potenzial und damit auch bald weitere Einsatzgebiete für das iPad gibt. Beachtenswert ist, dass die Apple-Apps wie iBooks oder die iWork-Apps bisher noch nicht mit deutschem Account über iTunes zu beziehen sind – zum Deutschlandstart dürfte es aber soweit sein.
Meiner Meinung nach kann man die nativen iPhone-Apps, die auf dem iPad auch vergrößert angezeigt werden können getrost vergessen. Im Vergleich zu den speziell fürs iPad entwickelten Programmen haben sie absolut keine Chance. Ich nutze iPhone-Apps damit fast nie auf dem iPad.

Ich habe das iPad, wie gesagt, in USA gekauft und den Rückflug damit sehr genossen. Wer sich vorher mit Filmen, Podcasts oder Lesestoff versorgt hat, sollte auch auf Langstrecken keine Langeweile bekommen. Die Größe ist perfekt für Texte, aber auch für gespeicherte Websites und Filme etc.
Im täglichen Gebrauch nutze ich das Gerät hauptsächlich zum Surfen oder Lesen – und das trotz Unitasking lieber als mein MacBook Pro. Wirklich nett ist es auch Bilder im kleinen Kreis zu zeigen und man kann es sich sehr gut damit in einem Cafe (mit WLan) bequem machen. Die Tastatur ist wirklich gut zu benutzen (ich habe diesen Text auch darauf verfasst) – allerdings ist sie nur im Querformat für ausführlichere Texte zu gebrauchen.

Empfehlenswert ist in jedem Fall die Hülle von Apple: das Aufstellen ist in vielen Situationen echt hilfreich, auch wenn das Gerät natürlich ohne Hülle tausendmal schöner aussieht. Leider sitzt die Hülle recht genau, was ein häufiges wechseln nicht gerade erleichtert.

Welche Version kaufen? Ich hatte zum Kaufzeitpunkt noch nicht die Qual der Wahl zwischen WiFi und 3G, würde mich aber angesichts des Preises vermutlich doch wieder für die gewählte 16Gb WiFi Version entscheiden. Der Speicherplatz reicht mir momentan bei weitem aus und ich nutze das iPad eben doch nicht mal spontan, wie das iPhone, sondern eher zuhause oder eben „geplant“ – sprich man geht in ein Café und nutzt das WiFi dort. Im Urlaub ist man aufgrund der Datentarife sowieso meist auf WiFi angewiesen. Zweiter Aspekt ist, dass ich mit einem halben Auge schon auf das Nachfolgermodell schiele, denn die mangelnde Webcam ist wirklich ein kleiner Minuspunkt.

Alles in allem ist das Gerät, besonders auch für ein Produkt der ersten Generation, außerordentlich gut gelungen. Minuspunkte sind das erwähnte Fehlen einer Webcam und evtl. der Umstand, dass man eben auf Apple als Programm- und Medienanbieter stark festgelegt ist. Den Flashplayer, habe ich bislang zwar ein paar Mal, aber insgesamt doch selten vermisst.

Gutenberg reloaded

Amazon Kindle

Zugegeben, das „Ende des Buches / Papiers“ wurde schon des öfteren heraufbeschworen, es ist allerdings bisher noch lange nicht eingetreten. Ein schönes Beispiel dafür ist das „papierlose Büro“, das uns schon den in den 90er Jahren versprochen wurde und von dem heute – es wird noch mehr gedruckt als früher – nicht viel zu sehen ist.

Trotzdem fühle ich das Ende des Mediums Papier nahen und zwar nicht nur, weil immer mehr Leute auch in Deutschland statt zur Zeitung eher zum Handy oder Notebook greifen, um sich mit Nachrichten zu versorgen. Vielmehr gab es in der letzten Zeit drei Dinge, die diesen bisher lediglich empfundenen Wandel zumindest für mich greifbarer gemacht haben.

Zum einen war dies das Amazon Kindle (Wikipedia), ein E-Book-Reader mit Mobilfunk-Anbindung, auf dem man elektronische Bücher nicht nur lesen, sondern auch kaufen kann. Nebenbei kann man sich für knappe 10 US-$ im Monat das Wallstreet Journal abonnieren, das dann jeden morgen drahtlos aufs Gerät geladen wird und, neben einigen anderen Funktionen, unterwegs auf Wikipedia zugreifen. Das Gerät gibt es für 399 $ ohne zusätzliche Kosten (sprich ohne Übertragungskosten über das Mobilfunknetz) momentan nur für den amerikanischen Markt. Auf die Nachteile, wie z.B. den proprietären E-Book-Standard, soll hier nicht eingegangen, festzuhalten bleibt: elektronisches Papier ist alltagstauglich, bezahlbar und bequem.

Die zweite faszinierende Meldung war nur eine kleine Notiz bei Spiegel-Online (ehemals bekannt für schlecht recherchierte Apple-Artikel): eine größere amerikanische Zeitung mit immerhin über 90-jähriger Geschichte hört auf als Printversion zu erscheinen und wird zukünftig ausschließlich im Internet publizieren — schlicht und einfach um als Marke überleben zu können.

Und die dritte Sache, das ist die Entscheidung des Verlages die Brockhaus-Enzyklopädie nicht mehr zu drucken, sondern nur noch gratis im Internet verfügbar zu machen. Als Meldung nachzulesen bei Welt oder aber etwas interessanter und philosophischer, allerdings mit meines Erachtens weniger gelungener Schlussfolgerung im Feuilleton der Süddeutschen.

Zusammenfassend: Elektronisches Papier scheint marktfähig zu sein, obwohl es sicher noch in hohem Maße verbesserungswürdig ist (aber sehen wir uns doch mal den ersten iPod an…) und eine Zeitung beschließt, ebenso wie der renommierteste deutsche Lexikonverlag, ihre – ja was denn nun? – „Erzeugnisse“ ausschließlich online und zwar umsonst zu veröffentlichen.

Vermutlich befinden wir uns nun also tatsächlich bereits deutlich im Umbruch zu einem Zeitalter, in dem die letzte (?) jahrhundertealte Konstante unserer Kultur, das gedruckte Buch, schließlich ebenfalls in der digitalen Welt aufgehen wird — mit allen Chancen, mit allen Risiken.

Picture by srharris (creative-commons-license).

OpenID

 Schonmal was von OpenID gehört? Nein? So gings mir (fast) auch, bis ich bei Gerrit was darüber gelesen habe. Im Prinzip gehts darum: man besorgt sich eine Online-Identität, die von verschiedenen Diensten unterstützt wird. Ist man auf der Seite, welche die Identität bereitstellt, eingeloggt muss man auf allen weiteren, die OpenID unterstützen nur noch bestätigen, dass man das einloggen dort mit der eigenen OpenID erlaubt — im Idealfall: ein Login für alle Seiten.Begeisterungsfähig, wie ich bin wollte ich mir gleich bei myopenid.com so ein Ding besorgen, allerdings war mein üblicher Nutzername schon vergeben… Mittlerweile habe ich rausgefunden, dass ich mich schon vor etwas weniger als einem Jahr dort angemeldet hatte (ich alter Trendsetter ;) ), nämlich um den Fotodienst Zooomr zu testen. Damals hab ich mich ziemlich über die umständliche Anmeldung geärgert, aber mittlerweile find ichs ganz praktisch. Blöd ist bloss, dass das System noch von wenigen Anbietern unterstützt wird und dass die Webgrößen wie Google (Gmail-Account), Microsoft (MS-Passport) und Yahoo ihre eigenen Identitätsdienste durchsetzen wollen. Schönes Beispiel: die Zwangsumstellung von alten Flickr-Accounts auf Yahoo-Accounts (siehe mein Eintrag dazu hier). Eine Ausnahme bildet AOL,  welche OpenID unterstützen (Blogeintrag bei td8). Bleibt also abzuwarten, wieviele Seiten OpenID in Zukunft unterstützen werden. Ich finde die Idee gut, weil mir ein relativ unabhängiger Identity-Service ungefähr 1000 mal lieber ist als eine kommerzieller von einem der Web-Riesen.Links: